Kinderarbeit Burkina Faso: Schuften ohne Ende: Sie suchen nach Gold, schuften im Haushalt oder verkaufen ihre Körper. Mehr als 215 Millionen Kinder arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen. Spielen ist für sie ein Fremdwort. Besonders schlimm ist die Situation für Kinder in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt.

 

Welttag gegen Kinderarbeit
Burkina Faso: Schuften ohne Ende

Sie suchen nach Gold, schuften im Haushalt oder verkaufen ihre Körper. Mehr als 215 Millionen Kinder arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen. Spielen ist für sie ein Fremdwort. Besonders schlimm ist die Situation für Kinder in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt.

Von Dirke Köpp, Deutsche Welle

Zenabou Ilboudou ist eine große Schwester. Keine im üblichen Sinne – nein, die 20-Jährige nimmt für die Schweizer Stiftung Terre des Hommes die Rolle der “großen Schwester” für Mädchen wahr, die als Hausangestellte beschäftigt sind. Denn Ilboudou kennt deren Probleme. Sie war selbst sieben Jahre lang Dienstmädchen in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou.

Als sie anfing, war sie neun Jahre alt. “Normalerweise weckt dich die Chefin morgens um 5.00 Uhr, damit du den Haushalt machst, und gibt dir Geld für den Einkauf”, erzählt sie aus ihrem Leben als Dienstmädchen. “Danach musst du kochen. Und wenn die Hausherrin findet, dass deine Sauce nicht schmeckt, hast du ein Problem.” Oft sei sie wegen solcher Kleinigkeiten geschlagen worden. Was die Dienstmädchen essen, sei den Hausherren relativ egal, und “dein Schlafplatz ist oft entweder die Küche oder in irgendeinem Flur”, sagt die junge Frau.
Audio: Kinderarbeit in Burkina Faso
Hunderttausende Mädchen in Burkina Faso und anderen afrikanischen Ländern teilen das Schicksal von Ilboudou. Meist sind sie zwischen neun und 14 Jahre alt, wenn sie sich Arbeit suchen müssen. Die meisten verlassen ihre Familien, weil zu Hause kein Geld da ist, oder werden sogar von ihren Familien verkauft.

Die Arbeitsbedingungen sind oft unmenschlich. Die Kinder werden wie Sklaven behandelt, geschlagen, misshandelt oder missbraucht.
Sexuelle Belästigung durch den Hausherrn

Alima Fogo ist heute 21 Jahre alt. Sie war sechs Jahre lang Dienstmädchen und musste sich immer wieder gegen sexuelle Belästigung durch die Hausherren wehren: “Wenn der Chef nach der Arbeit nach Haus kommt und merkt, dass seine Frau nicht da ist, geht es los”, berichtet sie. “Er macht mir Avancen und sagt, wenn ich mit ihm schliefe, würde er mir am Ende des Monats mehr bezahlen.”

Unmoralische Angebote und leere Versprechungen wiegen schwer, da der größte Teil der Kinderarbeiter sowieso kaum oder kein Gehalt bekommt. Die meisten sind im so genannten informellen Sektor tätig. Dort existieren weder Verträge noch Sozialleistungen.

Kinder müssen fremden Familien den Haushalt führen. Häufig werden sie misshandelt.
Hilfsprogramme reichen nicht aus

Inzwischen hat auch die Regierung Burkina Fasos die Ausmaße des Problems erkannt und versucht in Zusammenarbeit mit verschiedenen lokalen Initiativen, aber auch mit Organisationen wie Terre des Hommes oder UNICEF, gegenzusteuern. Dabei geht es vor allem darum, Sklaverei, Kinderprostitution, Einsatz als Kindersoldaten und illegale oder gefährliche Tätigkeiten zu verhindern. “Wir haben derzeit ein Programm für etwa 700 Mädchen, denen wir in ihrem Heimatdorf den Schulbesuch ermöglichen”, sagt Herman Zoungrana, Projektmanager von Terre des Hommes in Burkina Faso. Rund 200 Mädchen arbeiten für ein Berufsbildungsprojekt in einem Restaurant oder einer kleinen Schneiderei.

Doch leider sind solche Initiativen ein Tropfen auf den heißen Stein. Mehr als 500.000 Kinderarbeiter werden laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Burkina Faso ausgebeutet. Und das nicht nur in Privathaushalten. Fast die Hälfte arbeitet in einer der rund 600 Goldminen des Landes.

Selbst kleine Mädchen zertrümmern Steine, um darin Goldkrümel zu finden.

Geregelte Arbeitszeiten kennt der 15-jährige Sayouba Bonkoungou nicht. Er schuftet bis spät in die Nacht.

Ausbeutung in den Goldminen

Kleine Hände zertrümmern Gesteinsbrocken, um Goldkrümel zu finden. Kleine Körper kriechen in extrem enge Minenschächte. Kleine Lungen atmen giftige Chemikalien wie Cyanid oder Schwefelsäure ein. Bezahlt werden sie selten, meist werden sie nur mit Essen versorgt. Die 15-jährige Zenabou Dipama hat rissige Hände vom Steineklopfen. Die Arbeit sei sehr anstrengend, klagt sie. Der ebenfalls 15-jährige Sayouba Bonkoungou wird konkreter: “Geregelte Arbeitszeiten gibt es hier nicht. Wir fangen morgens an, mittags machen wir eine Pause und dann geht es weiter bis Mitternacht.”

Kinder sind beliebt als Minenarbeiter: Da sie klein und schmal sind, schickt man sie in die extrem engen Minenschächte.

Rund 200.000 Kinder arbeiten wie dieser Junge in einer der rund 600 Goldminen Burkina Fasos.

Illusion versus Schulbesuch

Viele der Schulen in den Goldregionen haben daher wenig Zulauf. Die Kinder haben schlicht keine Zeit zum Lernen. Dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF ist es dennoch gelungen, rund 7000 Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen und sie dafür zu begeistern. Das ist nicht immer leicht. Die Arbeit in den Minen ist für viele Kinder trotz aller Anstrengung attraktiv, haben sie doch die Illusion, dort dank ein paar Goldkrümeln ihrer Armut zu entkommen.
Internationale Arbeitsorganisation fordert schärfere Gesetze
tagesschau 12:00 Uhr, 12.06.2012 [Gabor Halasz, ARD Neu Delhi]
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