Selten zuvor sind weltweit derart viele Berufskolleginnen und -kollegen bei der Ausübung ihres Berufes behindert, psychisch und physisch bedrängt worden oder gar zu Tode gekommen wie in den letzten 18 Monaten – in ihrer überwiegenden Zahl durch gezielte und billigend in Kauf genommene Drohungen und Gewalteinwirkung.

 

Gewalt gegen Journalisten

Freie Medien für eine freie Welt

Kommentare Heute, 09:35

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Markus Spillmann

Es gehört zu den Ritualen jeder Organisation, dass sie durch Resolutionen auf Missstände ihres Interessengebiets aufmerksam macht – im Wissen darum, dass die Wirkung oft gering bleibt. Das Internationale Presseinstitut (IPI), das sich seit über 60 Jahren weltweit dem Schutz und der Förderung journalistischer Tätigkeit widmet und in diesem Anliegen seit Anbeginn auch durch die NZZ unterstützt wird, bildet darin keine Ausnahme. Es bleibt dennoch richtig und nobel, auf Missstände hinzuweisen, verbunden mit dem gebetsmühlenartig vorgetragenen Appell an Staaten, internationale Organisationen und die eigene Zunft, gegen diese anzukämpfen. Steter Tropfen höhlt den Stein, das gilt ausgesprochen beim Schutz und bei der Stärkung der global immer noch sehr fragilen Medien- und Meinungsfreiheit.

Durch Repression zur Selbstzensur

Journalisten sind als Einzelpersonen höchst verwundbar; ihr Schutz liegt in der Kollektivierung des Anliegens, für eine möglichst freie und unabhängige Berichterstattung zu sorgen. Daher wird die notorische Verletzung von fundamentalen Rechten der Meinungsäusserung durch Organisationen wie das IPI akribisch registriert – und in unzähligen Gesprächen auch auf Regierungsebene immer wieder in ebenso deutlichen Worten in Erinnerung gerufen. Das Ziel muss für alle diesem Gedanken verpflichteten Interessengruppen das gleiche sein: die Mauer des Schweigens niederzureissen, für Transparenz zu sorgen und so bedrängten Journalisten, die in ihrer Mehrheit lokal tätig sind und selten über den Rückhalt international bekannter Medien verfügen, in ihrer oft sehr einsamen Arbeit Schutz und Unterstützung zu bieten.

Denn diese ist gefährlicher denn je geworden, wenn man einschlägige Indikatoren zur Lage der Medien- und Meinungsfreiheit zu Rate zieht. Selten zuvor sind weltweit derart viele Berufskolleginnen und -kollegen bei der Ausübung ihres Berufes behindert, psychisch und physisch bedrängt worden oder gar zu Tode gekommen wie in den letzten 18 Monaten – in ihrer überwiegenden Zahl durch gezielte und billigend in Kauf genommene Drohungen und Gewalteinwirkung. Beunruhigend ist, dass sich der düstere Befund längst nicht auf einschlägig bekannte Kriegs- und Konfliktschauplätze reduzieren lässt, auf denen naturgemäss auch Journalisten mit dem erhöhten Risiko konfrontiert sind, selbst Opfer zu werden – unter anderem dann, wenn sie sich von Konfliktparteien «einbetten» lassen. Denn Kombattanten unterscheiden in der Hitze des Gefechts meistens nicht zwischen Bewaffneten und Nichtbewaffneten. Die Rede ist auch nicht von Unfällen, selbstverschuldeter Fahrlässigkeit oder unprofessionellem Verhalten.

Nein, schwer wiegt, dass in vielen Staaten fundamentale Rechte wie die freie Wortwahl, die unzensurierte Berichterstattung und der Schutz vor ungerechtfertigten Klagen gegen journalistisch tätige Personen entweder inexistent sind oder aber durch staatliche Organe und einflussreiche Privatpersonen mittels Drohungen und Gewalt verletzt werden, ohne dass dies geahndet würde. Subtiler, doch nicht minder effektiv, sind Anklagen von Staates wegen gegen Einzelpersonen oder Verlagshäuser, sei es wegen Verstössen gegen Steuergesetze, sei es wegen angeblich verschwörerischer Tätigkeiten oder mit Verweis auf die Gefährdung der nationalen Sicherheit. In vielen Fällen nimmt die Beschreitung des Rechtsweges für die Beschuldigten kafkaeske Züge an, wenn sie sich vor Gericht für Dinge zu rechtfertigen haben, die sie nicht kennen, weil ihnen der Einblick in Klageschriften mit Verweis auf höhere Interessen verwehrt wird.

Die Folgen sind ebenso trivial wie dramatisch: Journalisten, die um ihr Leben und jenes ihrer Angehörigen fürchten müssen, oder Verlagshäuser, deren Überleben am seidenen Faden publizistischen Wohlverhaltens hängt, neigen dazu, sich in Selbstzensur zu üben oder Fakten zurechtzubiegen. Einige sind gar gezwungen, sich gänzlich aus der journalistischen Tätigkeit zurückzuziehen. Jene, die standhaft bleiben, bezahlen oft einen hohen Preis dafür. Das wiederum wirkt auf Berufskollegen abschreckend, was den sinisteren Motiven der Unterdrücker dient. Auf der Strecke bleiben so Ausleuchtung und Aufklärung. Das fragile Bindeglied zwischen Öffentlichem und Nichtöffentlichem wird zulasten der Transparenz zerrieben. Den Schaden tragen die Bürger – ob in einer Diktatur oder in einer Demokratie.

Aufklärung statt Verführung

Journalisten dürfen nicht erwarten, mit Samthandschuhen angefasst zu werden. Und es wäre unethisch, für sich als Journalist oder Verleger Rechte zu reklamieren, wenn man diese bei der publizistischen Arbeit selbst nicht ernst nimmt – etwa das Recht auf Gehör, die nach bestem Wissen und Gewissen vorgenommene Faktenprüfung, die Schaffung von Transparenz über eigene Motive, Interessenbindungen oder Besitzverhältnisse. Medienvertreter müssen daher aus purem Eigeninteressen alles daransetzen, sich sicher zu sein, einschlägigen Standesregeln absolut treu zu bleiben – auch und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten oder unter prekären Arbeitsbedingungen. Es ist gleichermassen unabdingbar, dass Journalisten gut ausgebildet, anständig bezahlt sind und in vernünftigen Umständen arbeiten können. Sie dürfen nicht fürchten müssen, für ihre Tätigkeit ohne triftigen Grund vor Gericht gezerrt, mit Haft oder gar mit dem Tod bedroht zu werden.

Eine so verstandene Publizistik darf für sich in Anspruch nehmen, dem Kern des Berufes gerecht zu werden: durch kritisches Hinterfragen, durch sorgfältige Recherchen und skeptische Distanz das stets latente Informations- und Wissensdefizit auszugleichen, das Bürger gegenüber der Macht und den Mächtigen haben. Journalisten stellen nicht einfach das Produkt «Information» her, das es notwendigerweise auch zu verkaufen gilt. Sie nehmen vielmehr eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit wahr, die nicht direkt in einem Preis beziffert werden kann.

Medien sollten daher primär der Aufklärung dienen, nicht der Verführung. Keine klare Grenze zwischen journalistischer Ethik und dazu in Konflikt stehenden Interessen zu ziehen, endet meist in der Käuflichkeit und damit Gefügigkeit gegenüber Inhalten nach dem Gusto Dritter. Solches zu fordern, zuzulassen oder gar zu fördern, pervertiert nicht nur publizistische Werthaltungen, sondern gefährdet letztlich auch das höchste Gut des Journalisten: die eigene Glaubwürdigkeit.

Ist rohe Gewalt gegen Journalisten bis anhin vor allem ein Phänomen fern der eigenen Haustüre, ist es Letztgenanntes nicht. Es existiert sehr wohl auch im Lande Tells.

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/freie-medien-fuer-eine-freie-welt-1.17353412

 

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The capitalistic and imperialistic system and its systematic aims: profit and power over others, still dominates our world and not the aims of the Universal Declaration of Human Rights, as 1948 agreed! After the world-economic-crisis after 1929 and the following World-War the world hat decided with agreeing the Universal Declaration of Human rights, to create a new world order; conflicts should be solved with peaceful means, not nations and their power, but the dignity of human beings around the world should be the aim of the policies and the economy, of every state and the community of states. But soon after the end of the war, when the victims and destruction were forgotten, all continued as before, with all risks, we had seen before. The split in rich an poor is getting bigger and bigger. We also overuse our global environment already, even if the big majority of mankind still lives in poverty! We are not victims, this world is men-made and be changed from men and women! It will be possible, if those, who do not want or serve (because of system-pressure) profits first, but want for themselves and everybody a life in human dignity unite and develop in a global base-democratic movement a common vision for our world, and learn, how to make this vision real. We need for it a big empowerment of many, many common men and women and their activities. Our chances are because of new communication technologies, of common languages, of the level of education and the mixture of people from different backgrounds better then ever. The occupy-movement is a good start for such a global movement. We support it and try to contribute to its success! We choose news and make comments and so try to unite people for an Occupy-Think-Tank: Its tasks: creating a news-network, self-education, working on global-reform programs and learning to organize projects for those, who are suffering. Join us, so that we can build teams for these aims for all subjects and countries as a base for the unification. We have Wan(n)Fried(en) in our name, because it means When peace and it is a modification of the name of the town our base is, in Wanfried, a small town in the middle of Germany, where we can use a former factory for our activities. Our telefon: 0049-5655-924981, mobil: 0171-9132149, email: occupy-think-tank@gmx.de
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